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Heartless – Sara Wolf [Rezension]


Heartless – Sara Wolf



Werbung,  Rezensionsexemplar von Ravensburger Buchverlag


★★★★☆


Inhalt


Zera ist eine Waise, eine Diebin – und eine Herzlose. Als solche ist sie an diejenige Hexe gebunden, die ihr Herz herausgerissen hat und seit Jahren in einem gläsernen Gefäß aufbewahrt.
Als ein Krieg zwischen Menschen und Hexen auszubrechen droht, wird sie von den Hexen auserwählt, um während der Brautwerbung des Prinzen an den Palast des Königs zu gehen und dem Prinzen im wahrsten Sinne des Wortes sein Herz zu stehlen. Als Gegenleistung wird ihr die Rückgabe ihres eigenen Herzens und damit ihre Freiheit versprochen. Ein Angebot, dem Zera nicht widerstehen kann, vor allem, da sie als Herzlose von der quälenden Gier im inneren zu monströsen Taten angestachelt wird. Zera will das Blut an ihren Händen nur vergessen, auch wenn das bedeuten muss, dass sie jemand anderen das gleiche Schicksal auferlegt. 


Während innerhalb der Stadtmauern die Angst gegenüber den Hexen geschürt wird, lernt Zeras zügelloses Mundwerk sittsame Etiquetten für den Hof. Doch sind es nicht vor allen ihre scharfe Zunge und ihre sturer Kopf, die sie hervorstechen lassen? Je länger Zera wieder inmitten von Menschen ist, desto menschlicher fühlt sie sich auch und nicht nur das: ihr Herzschlag scheint deutlich spürbar, sobald derjenige vor ihr steht, dessen Herz sie stehlen soll…



Analyse


Das Setting von Heartless ist eine bunte Fantasywelt, die von Hexerei, dunklen Mächten, Fabelwesen und der Wissenschaft der Menschen geprägt wird. Es gibt Magie, aber gleichzeitig auch komplexe Kommunikationssysteme aus Wasserrohren, die die Stadt Vetris durchziehen. Die Fronten zwischen Hexen und Menschen sind allerdings schon lange verhärtet und die Gefahr eines neuen Krieges bahnt sich deutlich an.

Inmitten diese Fronten wird die Protagonistin Zera als Herzlose geschickt. Sie ist sturköpfig, direkt, kühl und hat immer einen frechen Spruch auf den Lippen. Mir persönlich ist es am Anfang eher schwer gefallen, mit ihr warm zu werden, was aber vielleicht auch daran liegt, dass sie als Herzlose eine emotionale und seelische Entwicklung durchmachen soll und sie daher bis zum Ende hin erst etwas vielschichtiger und sympathischer wird. Eigentlich mag ich starke, sarkastische Frauenfiguren sehr, aber bei mir sind die Sprüche und ihre Ausdrucksweise nicht immer angekommen.
Die Nebencharaktere, vor allem der Kronprinz Lucien und sein Celeon-Beschützer Malachite, haben sich direkt in mein Herz gelesen. Auch ihre „Tante“ Y’shennria, deren Diener und Fione sind interessante Charaktere und runden die Figurenkonstellation mit Nightsinger, Peligli und Crav auf der Seite de Hexen ab.
Ich hoffe (bin mir eigentlich sicher), dass wir in den nächsten Bänden noch mehr über die vorgestellten Hexen und Herzlosen erfahren werden, die bisher recht kurz kamen. Da ist noch einiges Potential offen und die verschiedenen Fronten können eindeutig mehr erforscht werden, vielleicht auch das ein oder andere Geheimnis offenbaren.


Vom Plot her erfindet Heartless das Rad nicht neu; die Handlung ist recht schnell vorhersehbar und bedient sich einiger Stereotypen. Das hat mich nicht unbedingt gestört, ist aber vielleicht ein Grund, wieso mich die Story nicht komplett hat umhauen können. Was mich stärker gestört hat, waren allerdings die ellenlangen Kapitel. So etwas habe ich bisher in fast keinem Buch erlebt, nicht einmal in Wälzern wie wie Eragon. Einige Kapitel waren über 50 Seiten lang…Für mich hat das den Lesefluss auf jeden Fall etwas behindert, auch wenn ich gerne (zeitlich) viel am Stück lese.

Nachdem ich mich zu Beginn recht lustlos und uninteressiert durch die Kapitel gequält habe, konnte mich die Geschichte unerwartet noch richtig fesseln. Die Handlung habe ich zunehmend auch spannender, flüssiger und unterhaltender gefunden, nachdem der Grundbaustein der Geschichte, das Setting und die Charaktere einmal zueinandergefunden haben und einem vertraut geworden sind. Ich habe den Großteil des Buches dann quasi in einem Durchgang verschlungen und hätte gerne noch weitergelesen. Die Story endet an einem turbulenten und (mehr oder weniger) überraschenden Ende bzw. Einschub, der viele neue Handlungsstränge für die nachfolgenden Bücher verspricht :)


Fazit

Ein spannendes Jugend-Fantasybuch mit einer eigensinnigen Protagonistin, das mich nach einem holprigen Anfang doch in seinen Bann gezogen und mitfiebern hat lassen. Das relativ offene Ende am Spannungspunkt, die Nebencharaktere und die zunehmende Steigerung im Verlauf des Buches lassen mich schon den zweiten Band herbeisehen. Am liebsten würde ich direkt weiterlesen! Bis 2020 werde ich mich aber wohl noch etwas gedulden müssen. Trotz einigen Kritikpunkten gibt es von mir eine klare Leseempfehlung für jugendliche Fantasyliebhaber, die Lust auf eine unterhaltende, leicht romantische und spannenden Geschichte haben. Ich konnte das Buch bis zum Schluss gar nicht mehr aus der Hand legen und kann deshalb auch über den Anfang hinwegsehen: 4/5 Sternen von mir.


Da Heartless von Ravensburgerbuchverlag eine Übersetung von Bring Me Their Hearts ist, muss ich einfach noch zuzsätzlich erwähnen, dass ich die Coverwahl (gerade im Vergleich mit dem Originalcover) einfach hammermäßig finde!!!, für das deutsche Cover gebe ich mindestens 5/5 Sternen! <3





Ein Jahr mit Dir – Julia Whelan [Rezension]



Ein Jahr mit Dir – Julia Whelan 



Rezensionsexemplar
Penguin Verlag (14. Januar 2019)


 ★ ★ ★ ☆


Inhalt


Ella ist eine der wenigen Rhodes-Stipendiaten, die ein Studienjahr im auserlesenen Kreise der Oxford-Universität verbringen dürfen. Ihr Ziel, in der amerikanischen Politik tätig zu sein, scheint durch ihre Disziplin, ihren Ehrgeiz und ihren scharfen Verstand so klar organisiert zu sein wie ihr restliches Leben.

Nachdem sie sich in der mit Turmspitzen übersäten malerischen Kleinstadt einfindet, an welcher der historische Glanz der Reichen und Intellektuellen anhaftet, hat sie recht bald ein unangenehmes Aufeinandertreffen mit einem betrunkenen „reichen Schnösel“. Leider entpuppt sich dieser wenig später als ihr Aushilfeprofessor ihres Literaturseminar und stellt sich als James Davenport vor. Als sich Ella und James nach poetischen Diskussionen und einem Pub Besuch näher kommen, entwickelt sich etwas zwischen ihnen, was Ella nicht vorhergesehen hat. Doch sie weiß nichts von James dunklem Geheimnis, das ihre zukünftigen Pläne und ihre Herzenswünsche aus dem Lot werfen und sie alles hinterfragen lassen könnte.



Bewertung


Die Geschichte von Elle und James fängt als eine Art „New Adult Roman“ an, in welchem die Protagonistin, eine Studentin, auf einen reichen, charmanten, aber auch unausstehlichen Mann trifft, mit dem sie schlagfertige Wortgefechte führt. Das unsichtbare Prickeln zwischen den beiden ist von Anbeginn spürbar, die körperliche Attraktivität nimmt aber recht schnell eine bedeutungsvollere Ebene an, da die Gespräche über Poesie unausgesprochene Emotionen vermitteln und damit die seelischen Tiefen der beiden nicht nur dem Leser, sondern auch dem Gesprächspartner offenbaren.

Elle und James gehen zu Anbeginn nur eine Affäre ein. Dass diese körperliche Nähe nicht allzu bedeutend für den Fortgang der Handlung ist, wird schnell klar. Die Autorin lässt Elle diese Phase zusammenfassend nacherzählen und die Wochen vergehen damit auch für den Leser „wie im Flug“. Dieses Vorgehen passt zum Inhalt der Geschichte, hat für mich die intensive Teilnahme beim Lesen an einigen Stellen etwas „gestört“. Mit der „verliebten“ Hochphase und das aufeinander Einlassen wendet sich auch der Stil des Romans und Elle kommt nach einer längeren Zeitspanne (endlich) hinter die Gründe von James heimlichtuerischen Verhaltens. Er leidet, wie sein verstorbener Bruder, an einem genetisch bedingten, unheilbaren Blutkrebs. Der Roman bringt in seinem Fortgang auf berührende Weise zum Ausdruck, wie nicht nur James Leben, sondern auch das von Elle und seiner Familie durch seine Diagnose, die nervenzehrenden Behandlungen und das ungewisse Ende geprägt werden. Die Poesie spielt dabei immer wieder eine wichtige Rolle bei der Vermittlung von Emotionen, Ängsten und den Umgang mit dem Leben und der Liebe. Diese Facette hat mir wirklich sehr gut gefallen und auch die Thematisierung von der Krankheit und  ihrer Behandlung haben dem Buch keine zu große Schwere oder Bedrücktheit vermittelt, obwohl sie die Handlung und die Konflikte (natürlich) antreiben. Für mich hat es sich eher wie eine Aussprache für das LEBEN und nicht den Tod angefühlt. Die familiären Konflikte innerhalb von James reichem Elternhaus und ihre Beziehung zu Elle (die anfangs als Störfaktor für eine Genesung angesehen wird) dominieren vor allem die zweite Hälfte des Buches. Sie nehmen den Fokus etwas von der Liebesbeziehung, lassen die Geschichte aber auch lebensnah wirken und geben ihm eine ganz eigene Note.

Als kleine Schwächen sind für mich die Nebenplots zu nennen, die für mich nicht immer unbedingt essentiell für die Geschichte gewesen sind, obwohl sie an der Hauptthematik anknüpfen, aber recht oberflächlich gehalten werden. Dazu zählen die Beziehung zwischen Tom und Maggi, aber auch Elles (romantische) Beziehung zu einem weiteren Kommilitonen aus Oxford.


Fazit


Ein herzerwärmender Roman über das Leben und die Ausdruckskraft der Poesie, über Träume, Liebe, Familie und den Umgang mit der Zeit, die einem zusammen gegeben ist. Er ähnelt vom grundlegenden Konzept her dem Bestseller „Ein ganzes halbes Jahr von Jojo Moyes“, insofern als auch hier ein bevorstehender Tod den Fortgang der Handlung bestimmt, aber die Umsetzung, die Charaktere und die Nebenstränge geben der Story eine ganz eigene Note, die noch einmal durch Oxford und die Thematisierung der Poesie geprägt wird. Für mich ein echt schöner Liebesroman mit teilweise lustigen, süßen aber auch bittersüßen Szenen. Aufgrund der vorher genannten, kleineren Schwächen gibt es von mir 4+/5 Sterne und eine klare Leseempfehlung für all diejenigen, die sich emotional vom Leben und der Poesie berühren lassen wollen.




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